Dieselben 4 Akkorde: Pop oder Rock, je nach Startpunkt

Im Guitarshelf-Katalog scheinen Rock in A-Moll (Variante) — Akkordwechsel und Pop in C (mit Barré) — Akkordwechsel nichts gemeinsam zu haben: unterschiedliche Stile, unterschiedliche Tonarten, gegensätzliche Stimmungen. Und doch verwenden sie genau dieselben vier Akkorde, in derselben zyklischen Reihenfolge.

Derselbe Kreislauf, nur um eine Stelle verschoben

Das Pop-Blatt reiht C-G-Am-F aneinander. Das Rock-Blatt reiht Am-F-C-G aneinander. Legt man beide Abfolgen nebeneinander: Es ist derselbe Vier-Akkord-Kreislauf, der sich ständig dreht, nur ab einem anderen Punkt gelesen — das Rock-Blatt beginnt genau dort, wo der dritte Takt des Pop-Blatts bereits steht.

Das ist kein Einzelfall

C-G-Am-F (oder eine beliebige Rotation davon) ist wohl die am häufigsten wiederverwendete Akkordfolge im modernen Pop: bekannt geworden als „Axis progression" durch das Comedy-Medley der australischen Gruppe Axis of Awesome, zieht sie sich durch Dutzende ansonsten völlig unverwandte Hits, von „Don't Stop Believin'" über „With or Without You" bis „Take On Me". Das ist kein Geheimrezept: Es ist eine präzise Balance zwischen dem Verbleiben in einer einzigen Tonart (leicht zu spielen, leicht dazu zu singen) und genug harmonischer Bewegung, um das Gefühl zu geben, irgendwohin zu gehen.

Warum der Startpunkt alles verändert

Ein Vier-Akkord-Kreislauf sagt von sich aus nicht, welcher Akkord „zu Hause" ist — die Tonika. Beginnt und endet er auf C, klingt der Kreislauf eindeutig Dur und schwungvoll: das ist das Pop-Blatt. Beginnt und endet er auf Am, klingen genau dieselben Akkorde Moll und wehmütiger: das ist das Rock-Blatt. An den Tönen hat sich nichts geändert; nur der Punkt, an dem sich das Ohr als „Ruhepunkt" niederlässt, hat sich geändert — und genau dieser Punkt entscheidet, ob ein Schema nach Pop oder nach Rock klingt.

Zum Üben

Am besten hört man es, wenn man beide Blätter hintereinander spielt: zuerst Pop in C (mit Barré), wobei man am Ende jedes Durchlaufs bewusst auf dem C-Akkord landet, dann Rock in A-Moll (Variante), diesmal auf Am landend. Gleiche Finger, gleiche Akkorde, gleiche Wechsel — und doch zwei Stücke, die sich überhaupt nicht ähneln.

Passende Uebungsblaetter