Der Powerchord: Warum er weder Dur noch Moll ist

Auf einem Powerchord-Blatt steht nie „Dur" oder „Moll" neben einem Akkord wie E5 oder A5 — und das ist kein Versehen. Ein Powerchord ist weder das eine noch das andere. Hier ist der Grund, und wie sich das konkret im Katalog zeigt.

Was einem Powerchord fehlt

Ein gewöhnlicher Dur- oder Moll-Akkord besteht aus drei Tönen: Grundton, Terz und Quinte. Die Terz entscheidet über alles — eine große Terz (vier Halbtöne über dem Grundton) für Dur, eine kleine Terz (drei Halbtöne) für Moll. Ein Powerchord hat nur Grundton und Quinte: zwei Töne, nicht drei. Die Terz — die, die über Dur oder Moll entscheiden würde — fehlt schlicht.

Warum dieses Fehlen kein Problem ist

Ohne Terz lässt sich ein Powerchord gar nicht als Dur oder Moll bezeichnen: er ist neutral, mehrdeutig. Das ist sogar ein Vorteil für Gitarristen beim Komponieren: Ohne den Ton, der die Wahl festlegen würde, bleibt ein Powerchord sowohl in einem Dur- als auch einem Moll-Kontext einsetzbar, ohne je in einem der beiden „falsch" zu klingen.

Derselbe Akkord in zwei sehr unterschiedlichen Blättern

Genau das findet sich im Katalog: Der Akkord E5 ist die Grundlage sowohl von Metal in E — Powerchords, Einstieg als auch von Stufenweiser Aufstieg Power-Riff — E, eingeordnet als Rock. Zwei Blätter, zwei Stile, zwei völlig unterschiedliche Progressionen — und trotzdem liegt der allererste Akkord unter den Fingern genau gleich. Nicht der Akkord entscheidet über die Stimmung: sondern alles, was ihn umgibt.

Zum Üben

Um diese Mehrdeutigkeit selbst zu spüren, spiele Metal in E — Powerchords, Einstieg und gehe direkt weiter zu Stufenweiser Aufstieg Power-Riff — E: derselbe Startakkord, zwei Stücke, die ansonsten nichts gemeinsam haben.

Passende Uebungsblaetter