Was die Forschung wirklich über Übungsregelmäßigkeit gegenüber Talent sagt
„Talent gibt es nicht, nur Übung zählt" ist zu einem überall wiederholten Slogan geworden, auch bei der Gitarre. Das Problem: dieser Slogan vereinfacht eine echte, differenziertere Forschung übermäßig, die es wert ist, korrekt wiedergegeben zu werden.
Was die ursprüngliche Studie wirklich zeigte
Die Referenzstudie zu diesem Thema (Ericsson, Krampe und Tesch-Römer, 1993) verglich klassische Musiker verschiedener Leistungsstufen und stellte fest, dass die Spitzenkönner deutlich mehr Stunden „bewusster Übung" (deliberate practice) angesammelt hatten — strukturiertes Üben mit präzisem Feedback zu Fehlern, nicht nur zum Vergnügen verbrachte Spielzeit. Regelmäßigkeit über die Zeit erweist sich dabei als entscheidender Faktor: ein paar gut verteilte Stunden jeden Tag, Jahr für Jahr, statt gelegentlicher intensiver Sitzungen.
Was die Studie nicht sagte
Die Autoren selbst stellten klar, dass diese Studie nicht beweist, dass Talent keine Wirkung hat, noch dass jeder mit genug Stunden jedes Niveau erreichen kann. Ein Teil der späteren Übernahmen des Konzepts erweiterte zudem die Definition von „bewusster Übung" auf gewöhnliches, weniger strukturiertes Üben — was zur vereinfachten Version des Slogans beitrug.
Was standhält, und direkt anwendbar ist
Der Punkt, der der Differenzierung standhält: regelmäßiges, strukturiertes Üben schlägt bei gleicher Gesamtstundenzahl zuverlässig intensives, aber unregelmäßiges Üben. Das ist ein konkretes Argument für kurzes, tägliches Üben statt einer langen wöchentlichen Sitzung.
Der Vergleich von Blues in E — Einstieg (Level 1) und Blues-Turnaround — E (Level 3) im Katalog gibt ein konkretes Gefühl dafür, was Regelmäßigkeit ermöglicht, eine Übung nach der anderen.